Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Fotografie als soziale Praxis

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Thomas Bitterlich hat vor einiger Zeit über Bernd Stieglers Studien zur Kulturtechnik der Fotografie geschrieben.

Dabei kommt er zu folgendem Gedanken: „Die Kulturtechnik Fotografie als soziale Praxis betrachtet legt den Schwerpunkt auf den alltäglichen Umgang mit Fotografien. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit kann ebenfalls Kulturtechnik heißen. Bei Walter Benjamin geht es weniger um Fotografien, sondern mehr um ein sich daran manifestierendes Verhältnis zwischen Subjekt und Welt. Wird die Montage als Kulturtechnik beschrieben, steht wiederum ein konkreter Umgang mit ‚Bildern‘ im Vordergrund. Es ist nachvollziehbar, dass ein Begriff unter verschiedenen (diskursiven) Vorzeichen unterschiedliche Bedeutungen hat …“

Fotografie als soziale Praxis ist damit gut beschrieben.

Wenn ich nun den Umgang mit der Fotografie im Alltag nehme, kann ich folgende Fragen stellen:

  • Wie gebrauche ich heute Fotos?
  • Wie nutze ich Fotos im Verhältnis zur Schrift?
  • Womit kommuniziere ich mehr?

Diese drei Fragen reichen aus, um den Horizont zu erweitern und die Größe und die Möglichkeiten dieses Themas zu zeigen.

Das ist aber noch nicht alles.

Der Beitrag von Thomas Bitterlich hat als Überschrift die Frage Kann man Fotos lesen?

Dieser Gedanke taucht auch an anderen Orten der Welt auf. So hat David Campbell über Fred Ritchins Buch Bending the frame geschrieben und dabei den Gedanken von Ritchin aufgegriffen, daß gerade etwas völlig Neues entsteht, eine „visual literature“.

Da wäre die Frage zu stellen, ob es sich um Bilderbücher handelt oder etwas anderes. Wahrscheinlich muß man auf die Inhaltsebene wechseln, um den Unterschied kennenzulernen. Es sind Bücher oder besser Online-Serien und Kombinationen, die dabei entstehen und neue Eindrücke hinterlassen. Sie erzählen mehr als ein Foto oft kann.

Aber sie erzählen anders.

Digital bedeutet mehr Texte und mehr Bilder.

Weil aber die Aufnahmekapazität des menschlichen Gehirns gleich geblieben ist kommt es darauf an, wie es trainiert wird.

  • Wie trainiere ich die Wahrnehmung?
  • Lerne ich sinnerfassend lesen?
  • Lerne ich kritische Bildanalyse?
  • Lerne ich mit sinnlichen Eindrücken umzugehen?
  • Lerne ich bildhaftes Denken?

Und wenn ich das alles gelernt habe, wo lande ich dann?

Wie war das denn mit Höhlenbildmalereien?

Da waren wir schon und die Schrift gab uns die Chance, andere Elemente des Denkens und Wahrnehmens zu entwickeln. So bietet die heutige Zeit viele Chancen und Möglichkeiten, nach vorne und zurück – eben so wie Menschen immer waren und sind.

Ach so, sind Kulturtechniken und kulturelle Praxis eigentlich gleich?

Wenn ich Lesen und Schreiben gelernt habe, dann habe ich Kulturtechniken gelernt. Wenn ich fotografiere, ist das dann auch eine Kulturtechnik oder einfach kulturelle Praxis digitaler Kommunikation?

Es ist eben ein unendliches Feld.

Wir stehen mittendrin und sind dabei.

Dann mal los!

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