Zwischen Positionen und tatsächlichem Geschehen

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Es ist immer wieder eine Wonne, die photonews zu lesen, weil darin Wörter und Gedanken zu finden sind, die viel über den aktuellen Zeitgeist in der medial wichtigen fotografischen Welt aussagen.

Die Ausgabe 12/21-1/22 enthält besonders viel davon.

Das Gespräch mit dem Fotoforensiker Beat Rüdt zum Beispiel:

“Objektiv ist höchstens der Apparat, subjektiv der Blickwinkel, Ausschnitt, Fokus…. In vielen Feldern der Fotografie ist diese subjektive Imagination sogar gewünscht, sie dient der visuellen Schlagkraft eines Bildes. Anders ist es in der journalistischen Fotografie.” Und weiter: ” …stets die Balance zwischen einem visuellen Abdruck und einer starken, adäquaten Optik zu finden und dabei so dicht wie möglich am tatsächlichen Geschehen zu bleiben.”

So sollte seiner Meinung nach ein Fotoreporter sein. Daher überprüft er Fotos, ob sie die genannten Gesichtspunkte auch erfüllen.

Ich finde diese Gedanken aus der aktuellen Praxis sehr differenziert und klar.

Und über die Les Recontres de Paris 2021 lesen wir: “Mehr weibliche Positionen und mehr Präsenz für Arbeiten außerhalb etablierter Märkte im Westen. Nach diesem Motto agiert derzeit nahezu die gesamte Kulturszene…”

Darin kommen Schlüsselwörter vor, die aktuellen Zeitgeist zeigen wie z.B. das Wort “Positionen”.

Es geht um Positionen. Man betrachtet also immer subjektiv Bilder und sucht für den Fotomarkt interessante Positionen, also wie etwas gezeigt wird und was gezeigt wird.

Was ist verkaufsfähig? Auf mehr kommt es dabei primär nicht an.

Und es geht darum, das Bild mit und ohne Kontext zu betrachten.

Das ist anders als bei einem Fotoreporter.

Das ist eher so wie Stefan Gronert schreibt:

“Um es ganz klar zu sagen: Was der Fotograf gesehen hat, als er sein Foto machte, interessiert mich als Bild-Betrachter überhaupt nicht. Das Motiv ist irrelevant, das Bild hingegen nicht. Es ist das, was wir haben, alles andere ist Imagination.”

Genau das ist jenseits des Dokumentarischen und wird als Fotokunst definiert.

Um dies alles so verbal abzugrenzen und einzuordnen, war diese Ausgabe der photonews sehr hilfreich.

Vielen Dank dafür!

Bleibt zum Schluß noch die Abgrenzung der Wörter Foto und Bild. Gronert spricht vom Bildbetrachter. Es gibt Definitionen wonach jedes Foto ein Bild aber nicht jedes Bild ein Foto ist. Denken wir nur an die Malerei!

Insofern ist hier jedes Foto ein Bild, wobei der Fotoreporter sie weniger und der Mediendesigner sie mehr bearbeitet. Das könnte man nun noch stundenlang auführen. Mir reicht hier dieser Hinweis zum besseren Verständnis.

 

 

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