Der fotografische Adelsbrief und die Revolution

Geschrieben am

by — Posted in Filtermix, Fotografisches Feuilleton

… gehören zusammen.

Und damit bewege ich mich jenseits aller medialen Strömungen und herrschenden Meinungen.

Denn das Wort habe ich im Sinne von Arthur Schopenhauer genutzt: “Eben dieses nun ferner, daß das Genie im Wirken des freien, d. h. vom Dienste des Willens emancipirten Intellekts besteht, hat zur Folge, daß die Produktionen desselben keinen nützlichen Zwecken dienen. Es werde musicirt, oder philosophirt, gemalt, oder gedichtet; – ein Werk des Genies ist kein Ding zum Nutzen. Unnütz zu seyn, gehört zum Charakter der Werke des Genies: es ist ihr Adelsbrief. Alle übrigen Menschenwerke sind da zur Erhaltung, oder Erleichterung unserer Existenz; bloß die hier in Rede stehenden nicht: sie allein sind ihrer selbst wegen da, und sind, in diesem Sinn, als die Blüthe, oder der reine Ertrag des Daseyns anzusehen. Deshalb geht beim Genuß derselben uns das Herz auf: denn wir tauchen dabei aus dem schweren Erdenäther der Bedürftigkeit auf. ”

Damit aber nicht genug. Hier geht es ja um das Thema Fotografie. Und da kommt nun der nächste Begriff ins Spiel.

Es ist der Amateur. Dieter Hacker hat den Amateur vor vielen Jahren so beschrieben:

“Der Amateur liebt seine Arbeit. Dieses Verhältnis zu seiner Arbeit hat für ihn viele Konsequenzen. Denn unsere Gesellschaft honoriert nicht, was wir lieben, sondern was wir für ihren Fortbestand leisten. Die Arbeit des Amateurs gilt wenig. Da er seine Arbeit macht, um ein persönliches Bedürfnis zu befriedigen, bleibt er in der Regel auch der wichtigste Nutznießer seiner Arbeit… Der Amateur ist für die Industriegesellschaft nur interessant, sofern man mit ihm Geschäfte machen kann. Beim Fotoamateur ist das so. Unermüdlich und mit Hilfe von Werbeanzeigen, Großplakaten, Fotomagazinen, Fotoausstellungen, Fotobüchern und Sondereinlagen der illustrierten Zeitungen werden die Leute zum Fotografieren angeregt.”

Und dann kommt das Geheimnis der Kunst und der Revolution: “Befreit davon, Waren produzieren zu müssen wie der Profi, hat der Amateur die Chance, durch seine Arbeit zu wichtigen Einsichten zu kommen und sie, unberührt von den Interessen professioneller Multiplikatoren vermitteln zu können. Was dem Berufskünstler kaum gelingt, nämlich die Realisation seiner Intentionen; was ihm deshalb nicht gelingt, weil sich aus dem wahren Charakter des Kunstwerkes Zwänge ergeben, denen er sich schwer entziehen kann, ist für den Amateur kein Problem, denn er muß von seiner Amateurarbeit nicht leben.

Amateurarbeit, die sich von ihrer Fixierung an die Arbeit der Profis befreit, könnte eine Ahnung davon vermitteln, was nicht entfremdete Arbeit ist und so eine wichtige Utopiefunktion erfüllen. Nicht vergessen: die Revolution ist die Arbeit von Amateuren.”

Und damit sind wir mittendrin: “Nicht vergessen: die Revolution ist die Arbeit von Amateuren.”

Wenn Sie nun noch den Verlinkungen in diesem Text folgen, wird das Verhältnis von Fotografie, Kunst und Revolution noch deutlicher. Und Sie lesen gerade wie wichtig beim Fotografieren das Lesen ist.

Heute habe ich vielfach den Eindruck, es wird alles dafür getan, den Menschen durch Unterhaltung das Bewußtsein zu rauben, abzulenken oder zu betäuben und Lesen mit Denken durch Anschauen ohne Denken zu ersetzen.

Und das Smartphone ermöglicht übrigens auch Fotografieren ohne Denken und Schauen ohne zu sehen. Der kleine Bildschirm wird zum Rahmen der eigenen Welt …

Erst nach dem Verlassen der Matrix wäre mehr möglich – fraglich bleibt inwieweit sich dann die Welt ändert…

Aber das kann man ernsthaft nicht zu Ende DENKEN!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.