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20/10/201316/12/2014

X neue Kameras oder wer kauft noch eine DSLR?

Die fotografische Welt war aufgeteilt und nun ist sie in Bewegung. Kaum sind die neuen Kameras gekauft und ausgepackt, schon sind die noch neueren Kameras angekündigt.

  • Die Testmagazine kommen schon lange nicht mehr hinterher, selbst Bildqualitätsvergleiche aller aktuellen Modelle sind nirgendwo mehr möglich. Das ist gut für den Testersatz, die vorgefertigte PR, und schlecht für die echte Kontrolle. Daher sind Kommentare so wichtig und manchmal Foren, wenn sie denn nicht schon zu sehr fremdgesteuert sind.
  • Das Design wird immer wichtiger, weil die Standardisierung der Sensoren und Fotomodule so weit fortgeschritten ist, daß schlechte Fotos rein technisch schon fast ausgeschlossen sind und daher zusätzliche Verkaufsfaktoren im Design zu finden sind. Von Apple lernen? Wenn es denn übertragbar ist. Man achte auf die Kleinigkeiten. Vergleichen Sie mal die Lumix LF1 mit der Leica C – etwas anderes Plastik an einer Ecke macht ca. 300 Euro Differenz.
  • Viele neue Modelle versuchen die DSLR-Qualität durch kleinere Sensoren im Verhältnis zum Vollformat zu erreichen. Das geht sogar, wenn man die Lichtstärke und die Bildqualität bei niedrigen ISO anspricht und durch neue technische Möglichkeiten kann man sogar bei schlechten Lichtverhältnissen mithalten.

Aber es geht noch weiter.

  • Fuji hat es schon früh verstanden. Viele, die mit einer Leica liebäugelten und sich zu analogen Zeiten eine leisten konnten, wurden offenkundig durch die neuen Preise ab 5000 Euro für eine digitale Leica so abgeschreckt, daß sie sehnsüchtig auf eine gute Sucherkamera jenseits der DSLR warteten. Und Fuji füllte mit eigenen Ideen diese Lücke und schenkte dieser Welt die X100 für ca. 1000 Euro. So konnten viel mehr Menschen ihre fotografischen Wünsche verwirklichen und sie erhielten dabei keinen Leica-Ersatz sondern eine eigenständige neue Fuji Finepix Digitalkamera, die einen besseren Sucher hat als alle Kameras davor (zumindest in meinen Augen). Das war dann ein Zeichen, daß Fuji nicht kopierte sondern konstruierte und kreativ dachte und denkt.
  • Canon führte zu dieser Zeit im Bereich der Premium-Kompaktkameras. Die Powershot G9 bis G15 Modelle hatten einen optischen Minisucher als einzige Kompaktkameras in diesem Segment überhaupt. Dem setzte Fuji mit der X10 eine Kamera mit einem viel größeren optischen Sucher entgegen, die noch viele Jahre Kultstatutus haben wird. Im Bereich der kompakten Designmodelle dominierte Canon mit der Powershot S90/95. Doch viele wunderten sich sehr als der „Nachfolger“ von Sony mit der RX100 kam. Den hatte man eigentlich von Canon erwartet.
  • Im FourThirds-Bereich  dominierte Panasonic die Fotowelt mit Videoeigenschaften und entwickelte um die Bridgekameras herum und im 43-Bereich die besten Kameras mit Videoeigenschaften, die immer mehr auch Fotokameras wurden. Und Olympus schenkte der Welt die kreativsten und schönsten Kameras mit der PEN-Reihe und der Olympus XZ-1, die einfach gut sind und immer Spass machen.
  • Im Bereich der Kamerasysteme bröckelt der Status der DSLR als technisch bestes Kamerasystem. Die anderen Systeme werden immer besser und die Verbraucher wollen vielfach keine dicken und lauten Klumpen am Hals sondern elegante und leichte Kameras in der Tasche
  • Die Bildqualität ist kein absoluter Massstab mit unendlichem Wachstum nach oben mehr (für den Massenmarkt) sondern wird begrenzt durch die digitalen Distributionskanäle und die Drucktechnik sowie die Wahrnehmungsfähigkeiten des Menschen

Und weiter?

Ich erlebe (grob zusammenfassend), daß es Unternehmen gibt, die ihre Produkte pflegen (und damit ihre Kunden) und andere Unternehmen nur noch auf Kaufen setzen. Das ist dann der Unterschied zwischen kurzfristigem und langfristigem Denken bei der Kundenbindung und bei der Glaubwürdigkeit und dem Vertrauensaufbau zu Produkten und einer Marke.

Bei diesen Unternehmen soll man als Kunde heute offenbar jedes Jahr noch mehr neue Kameras kaufen, obwohl die Firmware der gekauften Kameras oft verbesserungsfähig ist aber meistens kaum bis nichts verbessert wurde.

Nikon V1

Das bis heute prominenteste Beispiel ist aus meiner Sicht die Nikon V1.

Gerade diese Kamera müßte durch eine neue Firmware fotografische Grundfunktionen auf die Aussenschalter legen können wie PASM. Stattdessen brachte Nikon ein völlig anders gestaltetes Modell auf den Markt, die V2 mit Rad.

Aber wer soll die denn kaufen zu diesen bemerkenswert hohen Preis, wenn man gerade erst eine V1 gekauft hat? Da wäre doch wohl erst mal Produktpflege angebracht. Nikon ist darüber hinaus auch Diskussionsthema mit dem Wechsel von der D600 zur D610. Sony ist in meinen Augen auch nicht viel besser.

Nun kommen wieder neue Kameras. Fast alle haben irgendwo ein X im Namen (extended, extra?).

XQ1 gegen RX100 II

Während Fuji nun mit der XQ1 direkt die Sony RX100 II angreift und dabei schon im empfohlenen VK fast nur halb so teuer ist, versucht Sony sich exklusiv mit Preisen jenseits aller Möglichkeiten für den mittleren Markt. Man wird gespannt sein, ob diese Strategie aufgeht.

Ausgereifte Kameras

Erfreulicherweise gibt es ja noch ausgereifte Kameramodelle, bei denen die Technik stimmt und der Preis und die Firmware so weit im Praxiseinsatz entwickelt wurde, daß ein optimales Team für unbeschwertes Fotografieren entstanden ist. Ich nenne nur (mit RAW) die Lumix FZ150 und FZ200, die Casio EX-ZR700, die Olympus XZ-1/2/10, die Fuji X10 und die Fuji x100 als Beispiele. So sind Fotos ohne falsche fotografische Kompromisse möglich.

Es gibt noch mehr.

Damit beende ich meine persönlichen Herbstgedanken zur aktuellen Situation auf dem Kameramarkt und frage mich, ob da noch neue Firmware kommt, um etwas für die Kundenbindung zu tun.

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