Foto: Michael Mahlke

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Zwischen „Suchen“ und „Klauen“ – Freelens, Google und das Urheberrecht

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Die folgenden Ausführungen geben meinen Wissensstand wieder und sind allein meine subjektive Betrachtung der Dinge.

Ich hatte es so verstanden, dass die Software-Firma google versprochen hat, wenn wir ihre Suchmaschine benutzen, dann finden wir das, was wir suchen schneller und besser. Dafür sehen wir im Gegenzug Werbung und klicken auch auf die Werbung, die uns interessiert.

Das war auch der Grund dafür, dass ich google benutzte.

Dann passierte folgendes. Während ich in den ersten Jahren noch schnell gute und tiefe Informationen fand, die mir oft weiterhalfen, wurde dies immer weniger, je näher ich an die Gegenwart kam.

Die Klage von Freelens gegen die neue Bildersuche bei google möchte ich nun zum Anlaß nehmen, um darüber noch einmal nachzudenken.

Was ist passiert?

Google war gut.

Aber dann geschah folgendes.

Viele Firmen versuchten durch SEO gezielt die Suchmaschine zu überlisten und ihre Angebote nach vorne zu bekommen. Das führte im Laufe der Zeit dazu, dass nicht mehr das Wichtige sondern die gedopten und manipulierten Informationen zuerst und meistens gefunden wurden.

Google reagierte darauf und veränderte die Suchprogramme. Zugleich wurde das Geschäftsmodell aber so erweitert, dass nicht mehr die Suchmaschine bestimmte, sondern durch Geld für Suchwörter mitbestimmt werden konnte, wo was erschien.

Das führte zur Kritik, weil man nicht mehr zwischen bezahlten Suchergebnissen und „organischen“ Suchergebnissen unterscheiden konnte. Darauf wurde wieder reagiert und google änderte wiederum alles, aber so, dass das eigene Geschäftsmodell erweitert wurde.

Konnte man bisher sich Suchergebnisse anzeigen lassen, so mußte man jetzt wählen zwischen Web, Blogs, Fotos, Videos, News etc. Das machte die Suchmaschine nicht nur wesentlich unübersichtlicher sondern dies war auch die Zeit, in der eine Grenze überschritten wurde.

Ich denke, dass hier die Grenze überschritten wurde, die aus einer Suchmaschine eine „Klaumaschine“ machte. Denn die Suchmaschine google sagte uns, wo etwas zu finden ist und die Verlinkung brachte uns direkt dorthin.

Doch jetzt holte die „Klaumaschine“ google Inhalte anderer Webseiten auf die eigene Webseite mit verschiedenen Techniken. Klauen ist ja nicht immer illegal, aber für mich schon, wenn meine Texte und Fotos dazu dienen, dass damit andere auf diese Art und Weise Geld verdienen.

Genau deshalb ist die Debatte um die Bildersuche und Anzeige der Fotos bei google so entscheidend. Wenn meine Fotos von meiner Webseite bei google erscheinen, dann hat google alles von mir und umgibt es vielleicht noch mit seiner Werbung.

Daher ist der Schritt von Freelens richtig, denn für mich ist das Datendiebstahl, weil meine Inhalte auf einer anderen Webseite eingebunden werden.

Ich erspare mir an dieser Stelle noch auf die individualisierte Anzeige von Suchergebnissen einzugehen, die man erhält, wenn man angemeldet ist mit einem Google-Konto. Da ist dann das Recht auf informatielle Selbstbestimmung fast völlig zerfranst.

Natürlich sind alle Argumente in diesem Zusammenhang interessengeleitet.

Nur dort wo es das Recht auf eigene Gedanken und Urheberrechte gibt, kann man so argumentieren wie ich. Wer sagt, dass alles allen gehört und sich daraus jeder bedienen kann wie er will, der wird wohl eher zu googles neuen Techniken tendieren.

Wenn man das weiterdenkt, dann wird daraus aber ein Schuh für google (und auch für facebook). Denn dann gibt es auch das Recht von google nicht auf privaten Gewinn. Dann gehört der Gewinn von google auch allen, die mit der Suchmaschine gefunden werden. Damit sind wir dann bei einer neuen Art von digitalem Sozialismus und vollendeter egalitärer digitaler Demokratie. Radikal zu denken bedeutet eben von der Wurzel her zu denken und das wäre für mich völlig logisch, so dass so gesehen google der Vorreiter für eine neue Gesellschaft wäre, in der alle beteiligt sind, weil alle etwas dazu beitragen und dies alles dann gerecht zwischen alle Beteiligten verteilt wird. Asozial wird die Gesellschaft erst, wenn einer sich von den anderen was nimmt, um dann mit den Produkten der anderen selbst Geld zu verdienen.

Fazit

Wenn ich mir nun rückblickend anschaue, was von dem Versprechen geblieben ist, schneller und besser Inhalte zu finden, dann muß ich sagen, dass ich zwar Inhalte finde, aber oft nicht mehr die, die besser sind – und wenn ich sie doch einmal finde, dann nicht schneller sondern nach viel Arbeit durch all die Quellen, die sonstwo zu finden sind.

Eigentlich müßte man eine Suchmaschine für Kommentare haben, weil dort mittlerweile oft die besten Hinweise und Verlinkungen auf gute Quellen zu finden sind und dies alles ohne Google.

So wurde für mich aus dem Google war gut nicht die Reihe google, good, god, gott.

Ich versuche stattdessen immer mehr auf spezialisierte Suchmaschinen umzusteigen, mir Kommentare zu Artikeln mit Themen, die mich interessieren durchzulesen oder direkt über Dritte Infos zu finden. Denn in meinen Augen macht diese neue Art von google mehr kaputt statt mehr Gutes und Neues entstehen zu lassen.

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