Ich stehe mit einem Eimer am Ozean der Dokumentarfotografie

Ich stehe mit einem Eimer am Ozean der Dokumentarfotografie

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und schöpfe daraus.

Aber kann der Eimer in der Auswahl repräsentativ sein?

Soll er das?

Welche Auswahlgesichtspunkte sind sinnvoll?

  • Ist es die Museumsqualität oder ist es die Aktualität?
  • Ist es das Thema jenseits der Tagesaktualität und die Art des Fotografierens?
  • Ist es der Ort der Veröffentlichung?
  • Ist es die Verkaufsfähigkeit der Fotos oder der soziale Anspruch des Themas?
  • Welche Botschaften enthalten die Fotos, welche davon werden gesehen und übersehen?
  • Werden diese wegen der Unterschiedlichkeit der kulturellen Wahrnehmung übersehen?

Viele Fragen, die immer wieder neu beantwortet werden müssen.

„Das Zauberwort für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Fotografie lautet weder Wahrheit noch Wirklichkeit sondern Kontext.“

So drückte es Ulrich Hägele aus.

Stimmt das?

  • Macht der Kontext aus einem Foto eine soziale Angelegenheit?
  • Wäre ein Foto ohne Kontext damit quasi asozial?
  • Geht das überhaupt?
  • Würde dem jeder zustimmen?

Ein Foto mit dem, was ich gerade gegessen habe, hat einen hohen Gebrauchswert, weil es eine konkrete Information übermittelt. Es ist Teil einer visuellen Sprache, die ohne Wörter auskommt. Aber mehr nicht.

Das Schreiben kommt erst später, wenn das Foto eingeordnet wird. Wenn diese Infos aber schon dem Foto entnehmbar sind, ist Sprache überflüssig.

Soweit zur visuellen Sprache, die sich auf die Abbildung als visueller Informationsersatz beschränkt.

Für mich ist die Beschäftigung mit der Fotografie nur teilweise eine eher wissenschaftliche Angelegenheit.  Mein fotografisches Trigon besteht aus Fototheorie und Fotopraxis und dem, was daraus neu entsteht. Es ist ein Prozess.

Zudem mache ich die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung auch nutzbar für die Lebenswirklichkeit durch den Transfer und versuche die Ergebnisse in Form von Fotos und Texten in die Praxis des Lebens zu holen, weil ich glaube, daß Fotografie und das Leben mit Fotografie viel mit Lebenspraxis zu tun hat.

Hier verlasse ich dann den theoretischen Sektor und lande bei mir, denn für mich ist die Beschäftigung mit der Fotografie auch eine Art zu leben.

Darüber zu schreiben und dies online zu setzen ist dann der Versuch, Fotografie erlebbar zu machen und damit nicht allein zu bleiben.

Von der Wissenschaft zur Lebenswirklichkeit ist es oft ein weiter Weg.

Eine Frau aus dem Pflegebereich hat mir mal gesagt, sie hält Doktoranden für die Vorgänger der Selfies, weil sie fast alle über völlig sinnlose Vorgänge „forschen“ und Jahre ihres Lebens dafür geben, für etwas sozial Sinnloses einen Titel zu erhalten. Was könnten diese Menschen alles in dieser Zeit sozial Sinnvolles tun? Und was wäre, wenn dieser Titel nicht mehr im Personalausweis stehen würde?

So ist der Blick auf die Welt auch ein Blick aus der eigenen Welt. Es sind Weltsichten, die konkrete Werte wiedergeben.

Das spiegelt sich auch in dem,

  • was fotografiert wird,
  • was online ist,
  • was in der Medienkarawane vorkommt und
  • was überhaupt wahrgenommen wird.

Die digitale Welt ist voller Fotos.

  • Aber welche davon sehen wir?
  • Wer surft überhaupt auf Webseiten ausserhalb der eigenen Landessprache?
  • Wer benutzt Fachwebseiten und spezielle Blogs?

Google reicht nicht, um sich auch nur annähernd ein Bild über Dokumentarfotografie zu verschaffen.

Über die Dokumentarfotografie, die online ist.

Die digital da ist und öffentlich ist.

Der Eimer ist daher immer die Welt.

Sogar google hat nur einen Eimer.

Text 1.1

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