Digitalkameras – vom Mangel zum Überfluss

Digitalkameras – vom Mangel zum Überfluss

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Seit dem Jahr 2000 ging es mit dem Verkauf von Digitalkameras in Deutschland stetig bergauf. Und neben die Digitalkameras gesellten sich immer mehr Handykameras bis hin zu den mobilen Computern in Form von Smartphones, Tablets etc.

So wuchs die Anzahl der Möglichkeiten parallel und ununterbrochen.

Wer im Jahr 2000 eine Digitalkamera kaufte, musste viel Geld ausgeben und konnte sicher sein, dass der Sensor schon bald darauf nicht mehr reichte. Ich erinnere mich an meine ersten Jenoptik Kameras und die erste Canon, die war zwar stabil, aber der 3 MP-Sensor hatte einen Blaustich und war nur sehr schlecht nutzbar.  Man hatte auch nie das Gefühl, dass das Bild und die Bildqualität über den Spassfaktor hinausgehen und für gute Aufnahmen reichen, die irgendwie den guten analogen Fotos entsprechen.

Analog = Digital

Das änderte sich meiner Meinung nach erst mit dem Einzug der 6 Megapixel und 8 Megapixel Sensoren mit dem 1,5 Faktor in Relation zum Kleinbild.

Da kam es zum Gleichstand.

Endlich hatten die Fotos dieselbe Qualität und Nutzbarkeit wie bei einem analogen 35mm Kleinbildfilm.

Seitdem ist ein fotografischer Standard in der Digitalfotografie eingekehrt, der aus dem Zwang, immer etwas Neues kaufen zu müssen, weil die Qualität für Ausdrucke und Bearbeitung am Monitor nicht ausreicht, einen Standard formte, der gleichbleibende Qualität über Jahre und Jahrzehnte garantiert im Druck und im Web.

Wer heute noch mit einer Kamera wie der EOS 400D oder 30D fotografiert, hat fotografisch keine Einschränkungen, wenn es um Drucke bis DIN A3 und Webfotos geht.

So kann man in den nächsten Jahren beruhigt auch ältere Kameras benutzen und sich daran erfreuen, dass die digitale Gründerzeit viele Eperimente und viel Mut ermöglichte, der in wunderbaren Digitalkameras mündete wie der Sony DSC-R1 oder der Lumix DMC-L1.

Das hat sich geändert. Heute werden Kameras vielfach Lifestyle-Produkte und die Sensoren und die Funktionen verändern sich von Jahr zu Jahr. Sie verändern sich, ob sie sich verbessern ist eine andere Frage. Fotografisch ist das unnötig, so dass heute ein Überfluss-Management angesagt ist.

Wer vor zwei oder drei Jahren eine gute Kamera gekauft hat, der braucht heute nicht unbedingt eine neue Kamera. Zumal heute viele Kameras gar nicht wirklich besser sind sondern nur neuer.

So sind wir im Zeitalter der Digitalkamera-Sättigung gelandet. Das ist wie bei allen technischen Geräten. Es kommt der Punkt, da ist die Funktion optimal und man kann nur noch durch Design und maximieren verändern – nicht unbedingt verbessern.

Gut, man kann noch Dinge verbessern, aber das sind doch eher Kleinigkeiten. Es sei denn man will unbedingt einen Vollformatsensor in einem Hosentaschengehäuse. Wenn dann aber andere Hersteller mit einem kleinen Sensor fast genau so gut sind, dann ist auch dies wieder eine Frage für sich – Optimum oder Maximum.

Hinzu kommen die durch die Natur und die Technik vorgegebenen Beschränkungen beim Fotografieren.

Wir sind beschränkt durch

  1. die Möglichkeiten der Drucktechnik,
  2. die Möglichkeiten des Monitors und
  3. die Möglichkeiten des menschlichen Auges
  4. die Möglichkeiten des jeweiligen Sensors

Und deshalb ist es heute so, dass die bisherige alte Kamera aus fotografischen Gründen meistens nicht ersetzt werden muss sondern höchstens aus psychologischen Gründen ersetzt wird.

Damit verlassen wir aber den sachlichen Sektor und kommen in die Welt der Drogen. „Neuheit ist die natürlichste aller Drogen“ schrieb Piroschka Dossi in ihrem Buch Hype. Sie hat recht. Und wenn diese Droge die Macht übernimmt, dann ist die neue Kamera nur durch die Schwelle  des Portemonaies getrennt und selbst diese Schwelle wird dann durch den Sofortkredit oftmals „überwunden“.

Da hilft dann nur noch den Verstand einschalten, es sei denn man lebt nach dem Motto „ich konsumiere also bin ich.“

Dann viel Spass!

 

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