Der Schnappschuss zwischen Schnappschussfähigkeit und Schnappschusstauglichkeit

Der Schnappschuss zwischen Schnappschussfähigkeit und Schnappschusstauglichkeit

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Snapshots oder Schnappschüsse sind sehr beliebt, weil man dadurch etwas auf die Schnelle festhalten kann. Der angebliche Meister des Schnappschusses war Henri Cartier-Bresson.

Er fotografierte aber mit einer Kamera, die nur manuell scharfstellen konnte.

Heute überbieten sich die Kamerahersteller mit den Begriffen

  • Schnappschusstauglichlichkeit,
  • Fokussierung in Millisekunden (Scharfstellen) und
  • kurzer Auslöseverzögerung.

Ich habe einen Teil des Themas schon einmal aufbereitet und möchte dies alles heute erweitern.

Ein Schnappschuss besteht, wenn er mehr sein soll als pures Abdrücken, aus einer Kombination von

  • Wahrnehmen einer Situation
  • Auslöseverzögerung
  • gestaltetem Bildausschnitt

mit geometrischem Aufbau

Vordergrund und Hintergrund

Figur und Grund bzw. Hauptinhalt und Nebeninhalt

So kann aus einem Schnappschuss ein Kunstwerk werden, wenn dies alles berücksichtigt wurde, wobei dies natürlich nur für Fotografie gilt, die einen echten und ungestellten Moment festhält.

Dabei ist zu unterscheiden zwischen Schnappschusstauglichkeit und Schnappschussfähigkeit.

  • Die Schnappschusstauglichkeit ist die technische Möglichkeit einer Kamera, schnell zu fokussieren und auszulösen.
  • Die Schnappschussfähigkeit ist die Fähigkeit eines Menschen, eine Situation zu sehen, zu gestalten und fotografisch festzuhalten.

Wenn man diesen Gedanken folgt, dann ist ein Schnappschuss viel mehr als ein schnelles Foto.

Ein Schnappschuss ist dann quasi die höchste Kunst des fotografischen Lebens, weil man hier keine zweite Chance hat, um einen gesehenen Moment festzuhalten.

Es gibt also keine zweite Chance für den echten meisterhaften Schnappschuss.

Es gibt höchstens die Möglichkeit, einen Ablauf so fotografisch festzuhalten, dass der beste Moment einer Situation dann aus einer Reihe von Fotos ausgewählt wird.

Was der „beste“ Moment ist, hängt dabei oft von dem ab,

  • was man hat,
  • was man sagen will und
  • was ankommen soll.

So ist übrigens auch Cartier-Bresson vorgegangen, während Gisele Freund oft nur ein Foto machte.

Darüber könnte ich nun auch schreiben, weil es offenkundig auch eine weibliche und eine männliche Art der Fotografie gibt. Ob aber Frauen oder Männer die besten Schnappschüsse machen, wird wohl so lange unterschiedlich beantwortet werden, wie es Meinungsfreiheit gibt.

Allerdings gibt es noch einen Punkt, der immer wieder diskutiert wird.

  • Darf man Fotos bearbeiten?
  • Ist nur das unbearbeitete Foto echt?
  • Was ist ein unbearbeitetes Fotos?

Gute Fragen. Im Zeitalter der digitalen Fotografie gibt es Abstufungen und Bewertungen dazu:

  • Pure Fotos gibt es nicht, weil jedes RAW bearbeitet werden muß und jedes JPG bearbeitet ist.
  • Das nachträgliche Bearbeiten kann unterschieden werden nach dem Kriterium, ob Pixel bleiben oder durch andere Pixel ersetzt werden.
  • Wenn ein Pixel nur bearbeitet wird durch Aufhellen oder Abdunkeln dann ist das so wie im analogen Labor mit Abwedeln und Nachbelichten.
  • Wenn Pixel aber durch andere ersetzt werden, dann wird das Bild aktiv verändert.

Das sind die vier Ecken dieser Fragestellung.

Wer hat Recht, was ist erlaubt und was nicht? Da gibt es mehrere Antworten und jede hat auch eine gute Begründung. Damit bleibt das Thema unendlich.

 

 

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