Dehumanisierung als Trend in der Bilderwelt?

Dehumanisierung als Trend in der Bilderwelt?

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Ich bin auf den Begriff “Dehumanisierung” in einem Artikel von Aida Bosch bei iz3w.org gestossen.

Aida Bosch nimmt als Beispiel Säureopfer, die durch die Fotografien von Younes Khani so gezeigt werden, daß sie – soweit dies geht – zurückkehren können in die menschliche Gemeinschaft. Die Gewalttätigkeit des Ehemanns führte zum Ausgestoßen-sein und die Hilfe von außen und das Fotografieren als “Brücke”halfen, diese Dehumanisierung zu überwinden, zumindest teilweise.

Das Wort ließ mich nicht los. Wie hatte sich meine Wahrnehmung verändert?

Irgendwie hatte ich das Gefühl, daß diese Fotos zunehmen. Fotos mit Opfern, Fotos mit unvorstellbaren Grausamkeiten.

Offenkundig.

Aktuell berichtet die Medienkarawane nicht mehr darüber, dafür werden im Netz immer mehr Fotos und Videos gezeigt.

IS ist offenkundig nicht nur das Kürzel für das, was passiert, wenn man Macht nicht durch Gegenmacht begrenzt sondern auch der offenkundig gewordene Übergang in die neue digitale Zeit der unsteuerbaren Propaganda aller Seiten mit unerhört grausamen Szenen, die Menschen zeigen, die mit modernen Waffen auf Raubzüge gehen können.

Eine neue Stufe der digitalen Propaganda?

Gaza, Ukraine, Syrien/Irak – das sind nur drei Themen aus einer kriegerischen Welt.

Hat die Spirale von Abstumpfung und Aufrüstung einen neuen Höhepunkt erreicht?

Aus meiner Erinnerung heraus war es doch in der Medienkarawane so:

1. Bilder von Giftgasopfern, vor allem Kinder

2. Bilder von Massenerschiessungen

3. Bilder von öffentlichen Hinrichtungen

4. Bilder von Köpfungen

5. Bilder von geschändeten Leichen

Es sind immer interessengeleitete Veröffentlichungen, die abschrecken oder aufschrecken sollen.

Das ist ungefähr das, was man bisher in der Medienkarawane sehen konnte.

Die Medienkarawane hat zudem ein Problem.

Alle verweisen auf das Internet. Dort soll man nachschauen, dort gibt es exklusive Berichte. Und dort ist man mit Suchmaschinen und Mausklicks nur einen Klick von den Fotos und Videos entfernt, die die Medienkarawane nicht gezeigt hat.

Wobei die Online-Spiele dies alles ja schon vorher zeigten.

Da das Gehirn nicht zwischen echt und falsch unterscheiden kann, ist die Schwelle der Wahrnehmung mittlerweile vielleicht fast schon undurchlässig geworden.

Stimmt meine Wahrnehmung?

Gab es eine Steigerung in den letzten Jahren?

Ist eine Obergrenze der dehumanisierten Propaganda erreicht?

Man kann Menschen beim Sterben zeigen und danach die geschändeten Leichen.

Das ist der Versuch, jede Würde zu nehmen.

Früher hat man dann noch versucht, alle Erinnerungen auszulöschen.

Das geht aber nicht, weil man heute gerade durch das Veröffentlichen erst Bewußtsein und Erinnerungen schafft.

Die werden zwar verblassen, sind aber dennoch verfügbar.

Die Grenzenlosigkeit – auch für zukünftige Massnahmen – macht auch vor diesen Fotos und Videos der Mörder nicht Halt, die sich damit selbst dokumentieren.

Aber das ist eine andere Frage.

Dieser Artikel dient der Selbstwahrnehmung und Reflexion. Ich versuche gerade durch Aufschreiben etwas zu klären.

Wahrscheinlich ist dies nicht der letzte Satz zu diesem Thema.

Nachtrag zwei Jahre später:

Mittlerweile gibt es ein Buch, das dieses Thema auch aufgreift und zeigt, daß die Onlinespiele mit ihren nachgemachten Bildern genau so sozialisierend beeinflussen und wirken wie Realität. Dazu habe ich einen Artikel geschrieben, den Sie hier finden.

 

 

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